Texte

„Der Betrachter seiner Werke wird zum Entdecker vieler Geschichten, eigener Erinnerungen.“ 
(Carolin Walker)

Erich Gruber

Ich erinnere mich gerne an die erste Begegnung mit dem Künstler Erich Gruber an einem schneeverregneten Nachmittag im Jänner diesen Jahres in seinem Salzburger Atelier. Trotz der draußen herrschenden frostigen Temperaturen, waren die Stunden in seinem künstlerischen Refugium von viel Energie und Licht durchflutet. Zeichnungen, Collagen, Tafelbilder, Bildobjekte und Schaukästen machten sofort sichtbar, wie sehr der Künstler an einer Symbiose der klassischen Medien arbeitet, wie vielschichtig sein Werk trotz oder gerade aufgrund der Vielfalt ist, wie sehr Hintergrund und Vordergrund, Schichten und Spuren im Wechselspiel ihre „Feinabstimmungen“ erfahren und wie nuanciert – vor allem in den Tafelbildern – seine Kompositionen sind.

Der Betrachter seiner Werke wird zum Entdecker vieler Geschichten, eigener Erinnerungen. Erinnerungen an die eigene Erstkommunion, an meinen Großvater, der im Herrgottswinkel sitzt und Ziehharmonika spielt, an seine Schwester, die in ihrem Haus Heiligenbilder und Engelfiguren sammelte und die ich nur mit streng zurückgekämmtem Haar und hoch geschlossener weißer Bluse kannte… Unzählige Rückblenden eröffnen sich und Grubers Motive, die er behutsam ins Blickfeld rückt, werden zu Bildträgern des Erinnerns. Dem flüchtigen Blick entziehen sich Grubers Bilder Gott sei Dank; wobei wir bei einem seiner zentralen Themen wären.

 

Carolin Walker, Mai 2008