Texte

„Erich Gruber als Zeichner umkreist seine Wurzeln, um sie zu bannen oder wenigstens sich ihrer Schwere zu entledigen.“
(Dieter Kleinpeter)

Durch und durch katholische Existenzen
Erich Gruber, der Zeichner

Hase, Hund und Hirsch, Puppen und Putten, katholischer Kitsch, Engel, Madonnen, aus zweiter Hand, durch und durch eine Inszenierung. Sie muss ihre Wurzeln nicht erst suchen, die liegen offen da und scheinen zu schmerzen, manchmal.

 

Erich Gruber zeichnet, darum geht es hier, Symbole (s)einer Herkunft aus dem Salzburger-Land und zitiert dabei Heiligenbildchen ebenso wie Marterl oder Fronleichnamsprozessionen.
Nicht immer ist sicher, wo die Grenze zwischen ernst und lächerlich zu ziehen ist, aber das liegt in der Sache selbst. Der Stift umkreist diese nervös und manchmal fahrig, sucht sich ihr zu nähern und verwirft, bricht ab. Da kommt schon auch einmal ein Grinsen auf und das relativiert den Schauder, der sich hinter der Fassade des Brauchtums verbirgt.

 

Bildvorlagen aus zweiter Hand, da sich längst die Souvenirstände der Verbreiterung der Basis und der Verfügbarkeit der Abbilder des Göttlichen bemächtigt haben. Der Auftritt so mancher Stellvertreter tut sein übriges und liefert das Material für Grubers zeichnerische Näherung.

Dann, mitten ins Geschehen, wie eine Bild-Störung,  'reale' Gestalten, erzeichnet und gesehen im Museum oder Tiergarten,  naturgemäß befremdlich. Und überhaupt ist die Zeichnung im Naturkunde Museum eine der bevorzugten Tätigkeiten, womit sich der Kreis zu den anderen Vor-Bildern wieder schließt.

 

Erich Gruber als Zeichner umkreist seine Wurzeln, um sie zu bannen oder wenigstens sich ihrer Schwere zu entledigen. Er schafft dabei Verflechtungen verschiedener Existenz-Zustände in Form von gezeichneten „Collagen“von grosser Eindringlichkeit und Sensibilität, die sich als Zeichnungen auch ohne ihre 'Abstammung' behaupten können.

 

Von dieser entfernt sich der Zeichner durch eine Annäherung, die Beachtung verdient.

 

Dieter Kleinpeter (Lorgues, Juli 2002)